Wer nach Weisheit strebt, das Gute wünscht und den Frieden sucht, der sei kraftvoll und aufrecht, sanft und bescheiden, zufrieden und bedürfnislos. Er lasse sich von weltlichen Dingen nicht überwältigen, belaste sich nicht mit der Bürde des Reichtums, er sei Herr seiner Sinne, klug und ohne Stolz und hänge sich nicht an die Sippe. Er tue nichts Niedriges, was die Weisen tadeln könnten.

Des Heiles kundig soll er mit ganzer Seele wünschen: Mögen alle Wesen glücklich, froh und sicher sein, alles was lebt, ob schwach oder stark, lang, groß, kurz oder klein, sichtbar oder unsichtbar, nahebei oder entfernt, geboren oder im Entstehen begriffen, mögen alle Wesen glücklich sein!

Niemand täusche einen anderen noch verachte er irgendein Wesen, so gering es auch sein mag. Möge niemand im Hass oder Zorn einem anderen Übles wünschen! Wie eine Mutter mit Gefahr ihres eigenen Lebens über ihr einziges Kind wacht und schützt, so umfange man liebend mit einem grenzenlosen Geist alles Lebendige, so umfasse man Liebend mit wohlwollender, unbegrenzter Güte die ganze Welt.

Ob man geht oder steht, sitzt oder liegt, sobald man erwacht ist, übe man achtsam diesen Gedanken und verwirkliche so, auf die höchste Weise zu leben. Wer das Unwissen aufgegeben hat und die tiefe, von sinnlichen Begehren freie, auf  Tugend gegründete Weisheit gewonnen hat, der ist vollkommen, für den wird es keine Wiedergeburt mehr geben.

SUTTA NIPATA 143-152